CCCeBIT für die Bundesdruckerei

Sinnlos, gefährlich und teuer - CCC gegen Biometrie in Ausweisen

Der Chaos Computer Club (CCC) hat seinen alljährlichen CCCeBIT-Award an die Bundesdruckerei vergeben. Die Negativauszeichnung für "Datenkraken und Monopolbildung" geht an die privatisierte Bundesdruckerei als Umsetzer und Nutznießer der geplanten Einführung der biometrischen Erkennungsmerkmale in Reisedokumenten und Personalausweisen, verbunden mit unsicherer RFID-Technologie.

Anzeige

Der CCC sieht die Bundesdruckerei als treibende Kraft hinter der Einführung von Fingerabdrücken und Funk-Chips in deutschen Reisedokumenten, durch die sich das privatisierte Unternehmen einen Großauftrag erhoffe. Das Büro für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag schätzt die Anschaffungskosten für die neuen Dokumente auf 600 Millionen Euro und kalkuliert zudem nochmals 600 Millionen Euro jährlich an laufenden Kosten. Der einzelne Pass könnte den Bürger so 130,- Euro kosten.

Aber weniger der Preis als vielmehr die Zweifel an der Wahrung des Datenschutzes haben der Bundesdruckerei den CCCeBIT-Award beschert. Bisher habe die Bundesregierung nicht darlegen können, wozu Biometrie und RFID hier zu Lande überhaupt benötigt werden oder wie dadurch ein echter Sicherheitsgewinn entstehen kann, so der CCC. "Die Totalerfassung der Bevölkerung bringt keinen Sicherheitsgewinn, schafft aber Risiken und Begehrlichkeiten", so der CCC.

Zudem zweifelt der CCC an den technischen Verfahren zur Erfassung und Erkennung von biometrischen Merkmalen. Diese ließen sich oft mit sehr geringem Material- und Zeitaufwand überlisten, was, wie vom CCC gezeigt, beispielsweise für viele Fingerabdruckscanner gelte. Auch die Wahl von kontaktlosen RFID-Chips zur Speicherung der biometrischen Merkmale in den Ausweisdokumenten berge ein zusätzliche Risiko. Ungeschützte Daten könnten so vom Ausweisinhaber unbemerkt ausgelesen werden. "Das vom Bundesverfassungsgericht aus dem Grundgesetz abgeleitete Recht auf informationelle Selbstbestimmung wurde bei der Auswahl der Technologie offenbar vollständig ignoriert", heißt es in der Laudatio des CCC weiter.

Es sei zudem vollkommen unklar, ob der kryptografische Ausleseschutz von biometrischen Daten vom Reisepass als Datenträger sicher ist. Die von deutscher Seite forcierten Vorschläge zur internationalen Standardisierung einer Verschlüsselung seien für andere Staaten nur optional. Es sei daher davon auszugehen, dass für Bundesbürger im Ausland kein Schutz existiert, kritisiert man beim CCC.

Vor diesem Hintergrund erhält die Bundesdruckerei zusammen mit Bundesinnenminister Otto Schily den diesjährigen CCCebit-Award für ihre "Lobbyarbeit und gekonntes Ignorieren technischer Probleme in Sicherheits- und Datenschutzfragen". Der CCC seinerseits fordert, auf den Einsatz zusätzlicher biometrischer Merkmale in Pässen und Ausweisen zu verzichten. Soweit dies aus Gründen der internationalen Interoperabilität nicht möglich sei, müsse vor dem Einatz ein öffentlich begleiteter Feldtest mit der konkreten Reisepasstechnologie und einer ausreichend großen Nutzerzahl durchgeführt werden. Außerdem müssen nach Ansicht des CCC die sensiblen personenbezogenen Daten auf dem RFID-Chip verschlüsselt abgelegt und deren Verwendung einer strengen Zweckbindung unterworfen werden.


Tante Erna 26. Jun 2006

Millionen Hausfrauen droht der Notstand

Kopfschüttler 18. Mär 2005

ok, versteh die Bedenken schon.

Roman Laubinger 18. Mär 2005

[_] Du hast verstanden Sorry, aber zentrale Sammlung und Auswertung von Daten ist Dir...

Kopfschüttler 18. Mär 2005

Du hast auch so keine Privatsphäre. Die Kassiererin weiss was du einkaufst, die...

:-) 18. Mär 2005

Man wird immer überwacht, im einfachsten Fall durch den Nachbarn, der am Fenster sitzt...

Kommentieren



Anzeige

  1. Teamleiter (m/w) Applikationen und Systembetrieb SAP IS-U
    LAS GmbH, Leipzig
  2. IT-Supporter im First- und Second Level (m/w)
    redcoon GmbH, Aschaffenburg, Erfurt
  3. Datenanalyst / Datenanalystin Banksteuerung
    Volksbank RheinAhrEifel eG, Mendig
  4. Projektleiter / Consultant (m/w)
    k-concept2publish GmbH, Oberschleißheim

 

Detailsuche


Folgen Sie uns
       


  1. Bundesregierung

    Klimaziele wegen mangelnder Elektroauto-Förderung in Gefahr

  2. Flugsicherheitsbehörde

    Lieferdrohnen benötigen Piloten mit Fluglizenz

  3. Gift Trading

    Steam ändert Regeln für geschenkte Spiele

  4. Fluggastdaten

    EuGH soll PNR-Abkommen mit Kanada prüfen

  5. LLGO

    Go-Compiler auf Basis von LLVM

  6. Operation Eikonal

    Regierung schüchtert Ausschuss mit extremem Geheimschutz ein

  7. Creative Commons

    Deutschlandradio darf CC-BY-NC-Bild nutzen

  8. Vodafone All-in-One

    Bündelangebot mit LTE, 100 MBit/s und TV für 60 Euro

  9. Wemo

    Belkin verkauft LED-Lampen mit Internetanschluss

  10. Chipfertigung

    7-Nanometer-Technik arbeitet mit EUV-Lithografie



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de



NSA-Ausschuss: Meisterschule für Geheimniskrämer
NSA-Ausschuss
Meisterschule für Geheimniskrämer
  1. Kanzlerhandy Bundesanwaltschaft will NSA-Ermittlungsverfahren einstellen
  2. NSA und Co. US-Geheimdienste melden viele Zero-Day-Lücken vertraulich
  3. IT-Sicherheitsgesetz BSI soll Sicherheitslücken nicht geheim halten

Next-Gen-Geburtstag: Xbox One und Playstation 4 sind eins
Next-Gen-Geburtstag
Xbox One und Playstation 4 sind eins
  1. Big Fish Games Bis zu 885 Millionen US-Dollar für Casualgames-Anbieter
  2. This War of Mine Das traurigste Spiel des Jahres
  3. Qbert & Co 901 Spielhallenklassiker im Onlinearchiv

Panasonic Lumix DMC-LX100 im Test: Kamera zum Begeistern und zum Verzweifeln
Panasonic Lumix DMC-LX100 im Test
Kamera zum Begeistern und zum Verzweifeln
  1. Systemkamera Sony Alpha 7 II mit 5-Achsen-Bildstabilisierung
  2. Canon PowerShot G7 X im Test Canons Konkurrenz zu Sonys 1-Zoll-Kamera
  3. Interne Dokumente Neuer Sony-Sensor könnte Kameras kraftvoller machen

    •  / 
    Zum Artikel