Mehrere US-amerikanische Datenschutz- und Bürgerrechts-Organisationen fordern Google in einem offenen Brief dazu auf, den Datenschutz des kürzlich angekündigten E-Mail-Dienstes Gmail zu verbessern und bis dahin den bisher nur für Beta-Nutzer zugänglichen Dienst abzuschalten. Besonders wird bemängelt, dass Gmail den Inhalt von E-Mails automatisch ausliest, um anhand der gesammelten Daten passende
Werbung auszuliefern.
Die Datenschützer und Bürgerrechtler kritisieren zudem die von Google aufgestellten Geschäftsbedingungen bezüglich der Weitergabe von Daten. So wird Google in dem offenen Brief aufgefordert, aufzuschlüsseln, welche Daten zwischen den verschiedenen Unternehmensteilen von Google, zwischen Partnern sowie Werbekunden ausgetauscht werden.
Scharf kritisieren die Datenschützer, dass alle über den Gmail-Server eingehenden E-Mails gelesen und analysiert
werden, um anhand der gesammelten Informationen kontextbezogene Werbung auszuliefern. Damit wird der zu erwartende Datenschutz eines E-Mail-Providers umgangen, was nach Ansicht der Datenschützer die Forderung an den Datenschutz von E-Mail-Providern im Allgemeinen senken könne. Als weiterer Punkt wird bemängelt, dass Googles Gmail-Dienst anhand der Geschäftsbedingungen Daten für eine unbegrenzte Zeit speichern darf, was die Gefahr birgt, dass diese Daten für andere
Zwecke missbraucht werden.
Google veröffentlichte am 1. April 2004 eine Pressemitteilung zum
Start von Gmail. Außer dem Datum sowie der ungewöhnlichen Aufmachung der Pressemitteilung sorgten auch die damals bereits bekannten Datenschutzrichtlinien dafür, dass die Pressemitteilung vielfach als Aprilscherz aufgefasst wurde. Es schien undenkbar, dass Google einen E-Mail-Dienst mit den nun heftig kritisierten
Datenschutzbestimmungen auf den Markt bringen wird.
(ip)