W3C drängt auf Löschung des Eolas-Patents

Prior Art soll Web-Patent von Eolas ungültig machen

Das World Wide Web Consortium (W3C) geht gegen das "Eolas-Patent" (US-Patent-Nummer 5,838,906) vor. Nach Ansicht des W3C ist das Patent ungültig. Eolas hatte auf Basis des Patents Microsoft verklagt und in erster Instanz Schadenersatz von rund 521 Millionen US-Dollar zugesprochen bekommen.

Anzeige

Nach Ansicht von Eolas und der Universität Kalifornien hat Microsoft das US-Patent 5,838,906 verletzt, das der Universität am 17. November 1998 zugesprochen und im Oktober 1994 exklusiv an Eolas lizenziert wurde. Eolas führt für Produkte auf Basis des Patents und erhaltene Lizenzgebühren seinerseits Gebühren an die Universität ab.

Die unter anderem von Dr. Michael Doyle, Forscher an der Universität Kalifornien und zugleich Präsident von Eolas, entwickelte, patentierte Technik erlaubt es, interaktive Applikationen in Hyperlink-Dokumente einzubetten. Seit 1995 finden sich derartige dynamische Inhalte im Web. Nach Ansicht von Eolas handelt es sich bei dem patentierten Verfahren um eine der Schlüsseltechniken in Bezug auf Interaktivität im Web.

Nach Einschätzung des W3C könnte das Patent, hätte es Bestand, aber auch Konsequenzen für das Internet im Allgemeinen einschließlich der Spezifikationen des W3C haben. Daher ist das W3C auf der einen Seite bemüht, nach Lösungen zu suchen, um die Web-Standards anzupassen, auf der anderen Seite hält man das Patent aber für ungültig und leitete nun rechtliche Schritte ein.

W3C-Direktor Tim Berners-Lee hat sich mit einem Brief an James E. Rogan gewandt, der im US-Wirtschaftsministerium für geistiges Eigentum verantwortlich ist. Berners-Lee fordert Rogan auf, das Patent erneut prüfen zu lassen, da entsprechende Techniken schon vor Anmeldung des Patents existiert haben (Prior Art), die bislang nicht berücksichtigt wurden. Hätte das Patent Bestand, befürchtet Berners-Lee substanziellen ökonomischen und technischen Schaden für das World Wide Web. Diejenigen, die bei einer Veränderung der Web-Standards auf Grund des Patents die höchsten Kosten zu tragen hätten, würden das Patent selbst gar nicht verletzen.

Zudem würden durch das Patent erzwungene Änderungen auch Auswirkungen auf Millionen historischer Webseiten haben, von denen viele keine kommerziellen Inhalte enthielten. Es wäre daher kaum möglich, die Kosten aufzubringen, um diese Seiten entsprechend anzupassen. Bleibt das Patent in Kraft, müssten Autoren von Websites diese anpassen, damit sie mit modifizierten Browsern noch lesbar sind, so Berners-Lee. Dies gelte auch, wenn die Autoren das Patent selbst gar nicht verletzen würden.

Die vom W3C als Prior Art angeführten Browser, die eine entsprechende Technologie schon vor der Anmeldung des Eolas-Patents implementiert hatten, würden sich nur in einem Punkt von heutigen Browsern unterscheiden: Sie stellten die eingebunden Inhalte in einem Extra-Fenster dar. Aktuelle Browser stellen die Inhalte im gleichen Fenster wie die Webseite dar. Die eigentliche Funktion zur Einbettung von Inhalten war aber schon damals beschrieben, so das W3C.

Microsoft hat bereits angekündigt, seinen Web-Browser Internet Explorer zu verändern, um dem Patent zu entsprechen. Dies hat aber auch die von W3C befürchteten Auswirkungen auf Webseiten, die in diesem Zusammenhang angepasst werden müssen. Zugleich kündigte Microsoft aber auch an, gegen das Urteil in erster Instanz vorgehen zu wollen.


joc. 30. Okt 2003

jau, geniale Zustimmung. MS ist die erste die es erwischt hat, da gibt es halt erstmal...

Marc O 30. Okt 2003

hallo leute, Zitat von MS.: "[..]Eolas has asserted that its patent covers one specific...

Masder 30. Okt 2003

Immer gegen MS ist ja schon mal eine tolle Aussage! Dumm nur, daß es dann bei MS nicht...

SCO Executive... 29. Okt 2003

wobei man diese 3 "in einen sack stecken kann". ;)

SCO Executive... 29. Okt 2003

trivialpatent - oder haben die wirklich eine <> in ihrem patent beschrieben? wenn man...

Kommentieren




Anzeige
  1. Mitarbeiter Batch-Prozesse (m/w)
    HUK-COBURG Versicherungsgruppe, Coburg
  2. JAVA-Entwickler/in
    über Schlagheck Radtke Oldiges Executive Consultants GmbH, Süddeutschland
  3. IT Manager (m/w)
    Seaarland Shipmanagement GmbH & Co. KG, Hamburg (Reisebereitschaft)
  4. IT Servicetechniker (m/w) Prozess- und Steuerungssoftware
    Marel Food Systems über Mercuri Urval GmbH, Großraum Osnabrück

 

Detailsuche


Folgen Sie uns
       

Meistgelesen
  1. Radeon HD 7770 und 7750 im Test

    Die Grafikkarte mit 1 GHz für 159 Euro

  2. Youporn-Betreiber

    Hacker will 350.000 Datensätze bei Pornoseite erbeutet haben

  3. Nortel Networks

    Nortel war fast zehn Jahre lang gehackt

  4. Smartphone-App

    Remove löscht störende Menschen im Bild

  5. Google

    Wir haben den größten DNS-Dienst


Meistkommentiert
  1. Kommentare: 270 | letzter Beitrag 13.02. 23:28

  2. Kommentare: 201 | letzter Beitrag 08:32 Uhr

  3. Kommentare: 194 | letzter Beitrag 14.02. 13:50

  4. Kommentare: 117 | letzter Beitrag 14.02. 12:39

  5. Kommentare: 101 | letzter Beitrag 02:39 Uhr

Mehr


  1. Cloud-Smartphone

    Acer bestätigt Cloud Mobile mit Android 4

  2. Ron was wrong, Whit is right

    RSA-Schlüssel unsicherer als gedacht

  3. Bioware

    Kurz die Welt retten in der Demo zu Mass Effect 3

  4. Adobe

    Photoshop CS6 mit Content-Aware Move

  5. Google

    Wir haben den größten DNS-Dienst

  6. Lensbaby

    Teleobjektiv mit absichtlicher Unschärfe

  7. Smartphone-App

    Remove löscht störende Menschen im Bild

  8. Radeon HD 7770 und 7750 im Test

    Die Grafikkarte mit 1 GHz für 159 Euro

  9. Youporn-Betreiber

    Hacker will 350.000 Datensätze bei Pornoseite erbeutet haben

  10. TZ77XE4

    Biostar zeigt Mainboard für Ivy Bridge und Sandy Bridge



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


IBM-Mainframe: Nasa schaltet letzten Großrechner ab
IBM-Mainframe
Nasa schaltet letzten Großrechner ab

Die Nasa hat den letzten IBM-Mainframe abgeschaltet. Damit gehe eine Rechnerära bei der Nasa zu Ende, schreibt deren IT-Chefin.

  1. Grail Nasa veröffentlicht Video von der Rückseite des Mondes

Blackhole Toolkit: Cryptome gehackt und mit Malware infiziert
Blackhole Toolkit
Cryptome gehackt und mit Malware infiziert

Cryptome ist gehackt und mit einer Schadsoftware infiziert worden. Der Schadcode hatte alle Seite das Angebotes befallen, das deshalb komplett wiederhergestellt werden musste.

  1. Evilshadow Microsoft Store in Indien gehackt
  2. Nach Hackerangriff Polizei-Webserver in Nordrhein-Westfalen seit 12 Tagen down
  3. Windows und Office 21 Sicherheitslücken in Microsofts Software

Club-Mate: Hack fürs Hirn
Club-Mate
Hack fürs Hirn

Es sprudelt, schäumt und schmeckt - nicht jedem. Macht nichts: Club-Mate ist Kult und aus der Hackerkultur nicht mehr wegzudenken. Wie es dazu kommen konnte, erzählt das Buch Hackerbrause.

  1. Retro-Gnome Cinnamon 1.2 stabilisiert API und Desktop
  2. Linux Mint Cinnamon wird wohl Standarddesktop
  3. 28C3 Hacker hinter feindlichen Linien

Zum Artikel