Abo
  • Services:
Anzeige

IEEE 802.11 unsicher - WEP-Verschlüsselung wurde geknackt

Sicherheitslücke mit handelsüblicher Soft- und Hardware nutzbar

Scott Fluhrer, Itsik Mantin und Adi Shamir haben bereits Ende Juli eine gravierende Schwäche in der WEP-(Wired-Equivalent-Privacy-)Verschlüsselung des Wireless-LAN-(WLAN-)Standards IEEE 802.11 aufgedeckt, die nun ein Student der Rice University zusammen mit zwei AT&T-Labs-Angestellten praktisch nachweisen konnte. Die Sicherheitslücke resultiert aus einer inkorrekten Umsetzung des RC4-Algorithmus und erfordert lediglich das Mitschneiden und Auswerten von mehreren hunderttausend Datenpaketen, um einen 128-Bit-Schlüssel herauszufinden und die WEP-Verschlüsselung auszuhebeln - der Aufwand für längere Schlüssel soll dabei nur linear wachsen.

Anzeige

WEP vertraut auf einen geheimen Schlüssel, den sich Netzteilnehmer untereinander bzw. Netzteilnehmer und Access-Point teilen. Der geheime Schlüssel dient zur Verschlüsselung der Datenpakete vor dem Versand und wird zu einem endlosen pseudo-zufälligen Schlüsselstrom erweitert. Um sicherzustellen, dass die Datenpakete beim Versand nicht verändert wurden, wird in Form des Integritäts-Check (IC) eine Art Prüfsumme übertragen und gleichzeitig über einen Initialisierungs-Vektor (IV) verhindert, dass zwei Pakete den gleichen zufällig generierten RC4-Schlüssel haben.

Eine Schwäche von WEP soll in der laxen Spezifikation für Initialisierungs-Vektoren (IV) liegen, die Nikita Borisov, Ian Goldberg und David Wagner von der Universität Berkeley bereits aufgedeckt haben. Fluhrer, Mantin und Shamir haben schließlich einen passiven Lauschangriff ersonnen, der darauf aufbaut, dass in einigen Fällen aus den im Klartext übertragenen IVs und dem erste Ausgabe-Byte Informationen über die Schlüssel-Bytes gewonnen werden können. Zudem haben sie weitere Schwächen entdeckt, beispielsweise dass die Nachrichten-Authentifizierung in WEP unsicher ist. Da WEP auch dazu dient, Unbekannte aus dem Netz auszuschließen, ergibt sich daraus ein weiteres gravierendes Sicherheitsproblem.

Adam Stubblefield (Student der Rice University), John Ioannidis und Aviel D. Rubin (beide AT&T Labs) haben die Fluhrer, Mantin und Shamir Attacke nun erfolgreich mit nur geringen Kosten in die Praxis umgesetzt - mit Hilfe einer Standard-WLAN-Karte und veränderten Linux-Treibern, die das Empfangen und Speichern von Datenpakten erlauben. Vereinfacht wurde ihnen der kryptoanalytische Lauschangriff durch den Umstand, dass erhältliche WLAN PC-Cards die IVs bei jeder Initialisierung auf null setzen und bei jeder Nutzung um eins erhöhen. Damit ergibt sich eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass Schlüsselströme wiederholt genutzt werden, was eine Analyse und Entschlüsselung des aufgezeichneten Datenstroms vereinfacht.

Um den geheimen 128-Bit-Schlüssel des von Stubblefield, Ioannidis und Rubin belauschten Netzwerks zu ermitteln, mussten zwischen 5 und 6 Millionen Datenpakete gesammelt werden. Da es sich um ein moderat häufig genutztes Funknetz handelte, soll dies lediglich ein paar Stunden gedauert haben. Die drei Autoren beschreiben ihre Vorgehensweise in einem technischen Papier recht ausführlich und haben die Methode zudem verfeinert, um den Schlüssel schneller zu extrahieren. Sie nutzen dabei den Umstand, dass Administratoren ihren Nutzern meist einen relativ einfachen Textschlüssel geben und keinen komplexen alphanumerischen Schlüssel.

802.11-Netze, die lediglich die aktuelle WEP-Verschlüsselung nutzen, sind demnach als unsicher einzustufen. Insbesondere da Lauschende mit leistungsfähigen Antennen auch außerhalb der üblichen WLAN-Reichweite (knapp 100 Meter) sitzen können. Eine zusätzliche Verschlüsselung beispielsweise mittels IPsec oder SSH ist deshalb bei bestehenden Netzen mehr als nur zu empfehlen, was bei der Datenrate von 11 Mbit auch von leistungsfähigeren Desktop-Systemen bewältigt werden könnte. Stubblefield, Ioannidis und Rubin empfehlen zudem, alle per 802.11 angebundenen Systeme als externe zu deklarieren und außerhalb von Firewalls zu platzieren.

Die IEEE 802.11 Working Group wurde bereits von den gravierenden Sicherheitsschwächen informiert. Sie arbeitet bereits an einer besseren Sicherheit für kommende 802.11-Spezifikationen, was in Anbetracht der zunehmenden Verbreitung und sinkender Preise für WLAN-Hardware auch dringend nötig ist.


eye home zur Startseite



Anzeige

Stellenmarkt
  1. b.i.t.s. GmbH über Schörghuber Stiftung & Co. Holding KG, München
  2. DLR Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V., Neustrelitz
  3. Wirecard Technologies GmbH, Aschheim bei München
  4. TÜV SÜD Gruppe, Filderstadt bei Stuttgart


Anzeige
Spiele-Angebote
  1. 59,99€ (Vorbesteller-Preisgarantie) - Release 02.08.
  2. 149,99€
  3. 49,99€ (Vorbesteller-Preisgarantie)

Folgen Sie uns
       

Anzeige
Whitepaper
  1. Mehr dazu im aktuellen Whitepaper von Freudenberg IT
  2. Mehr dazu im aktuellen Whitepaper von IBM
  3. Tipps für IT-Engagement in Fernost

  1. Windows 10 Anniversary Update

    Cortana wird zur alleinigen Suchfunktion

  2. Quartalsbericht

    Amazon schwimmt im Geld

  3. Software

    Oracle kauft Netsuite für 9,3 Milliarden US-Dollar

  4. Innovation Train

    Deutsche Bahn kooperiert mit Hyperloop

  5. International E-Sport Federation

    Alibaba steckt 150 Millionen US-Dollar in E-Sport

  6. Kartendienst

    Daimler-Entwickler Herrtwich übernimmt Auto-Bereich von Here

  7. Killerspiel-Debatte

    ProSieben Maxx stoppt Übertragungen von Counter-Strike

  8. Mehr Breitband für mich (MBfm)

    Telekom-FTTH kostet über 250.000 Euro

  9. Zuckerbergs Plan geht auf

    Facebook strotzt vor Kraft und Geld

  10. Headlander im Kurztest

    Galaktisches Abenteuer mit Köpfchen



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Schwachstellen aufgedeckt: Der leichtfertige Umgang mit kritischen Infrastrukturen
Schwachstellen aufgedeckt
Der leichtfertige Umgang mit kritischen Infrastrukturen
  1. Tor Hidden Services Über 100 spionierende Tor-Nodes
  2. Pilotprojekt EU will Open Source sicherer machen
  3. Mobilfunk Sicherheitslücke macht auch Smartphones angreifbar

Core i7-6820HK: Das bringt CPU-Overclocking im Notebook
Core i7-6820HK
Das bringt CPU-Overclocking im Notebook
  1. Stresstest Futuremarks 3DMark testet Hardware auf Throttling

Geforce GTX 1060 im Test: Knapper Konter
Geforce GTX 1060 im Test
Knapper Konter
  1. Quadro P6000/P5000 Nvidia kündigt Profi-Karten mit GP102-Vollausbau an
  2. Grafikkarte Nvidia bringt neue Titan X mit GP102-Chip für 1200 US-Dollar
  3. Notebooks Nvidia bringt Pascal-Grafikchips für Mobile im August

  1. Re: Mit anderen Worten...

    amagol | 02:02

  2. Re: Wer würde 1,56 $ (1,40¤) pro Monat zahlen für...

    amagol | 01:55

  3. Re: Spinnt MA denn vollkommen?

    Wallbreaker | 01:44

  4. Re: Dumme Frage: Was zählt zum Begriff...

    Mephir | 01:40

  5. Re: W10 Sharewarepark

    Wallbreaker | 01:38


  1. 23:26

  2. 22:58

  3. 22:43

  4. 18:45

  5. 17:23

  6. 15:58

  7. 15:42

  8. 15:31


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel