Adobe zieht Klage gegen russischen Programmierer zurück

Öffentlicher Druck zwingt Softwarehersteller zum Einlenken

Aufgrund öffentlichen Drucks, unter anderem durch die Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF), hat Adobe die Anklagen gegen den russischen Programmierer Dmitry Sklyarov fallen gelassen. Dieser war an der Entwicklung von Advanced eBook Processor beteiligt, einer Software zur Umgehung des Kopierschutzes von Adobes eBook Reader.

Anzeige

Gemeinsam mit der EFF hat Adobe in einer Pressemitteilung angekündigt, die Anklage nicht mehr zu unterstützen und die Freilassung von Sklyarov empfohlen. Der Angestellte des Moskauer Software-Herstellers ElcomSoft wurde am 16. Juli direkt nach dem Halten eines Vortrags auf der mittlerweile neunten Hackerkonferenz Def Con durch das FBI verhaftet. Grund war eine Strafanzeige vom kalifornischen Staatsanwalt John Ashcroft, in der ihm die Verletzung des umstrittenen Digital Millennium Copyright Act (DMCA) vorgeworfen wurde. Sklyarov drohen 5 Jahre Gefängnis, sollte er schuldig gesprochen werden. Der DMCA wurde 1998 erlassen und soll das Urheberrecht sichern, interpretiert diesen aber nach Ansicht des EFF falsch.

Während die EFF Adobe für den Rückzug lobt, ist noch nicht klar, wie weit Adobe seinen Einfluss auf das Verfahren nutzen kann, um die Freilassung von Sklyarov zu erreichen. Die Staatsanwaltschaft kann die Strafanzeige auch ohne Adobe weiterverfolgen, wobei sich Adobe nur etwas aus der Schusslinie gebracht hätte.

Die Kritik am DMCA hält sich von Seiten Adobe übrigens in Grenzen: "ElcomSoft's Advanced eBook Processor ist nicht länger in den Vereinigten Staaten erhältlich, und aus dieser Perspektive hat der DMCA funktioniert. Adobe wird weiterhin seine Urheberrechts-Interessen und die seiner Kunden schützen", so Colleen Pouliot, Senior Vice President und General Counsel von Adobe, in der gemeinsamen Pressemitteilung.

Die Verhaftung von Dmitry Sklyarov hat recht weite Kreise gezogen: Letzte Woche hat Linux-Kernel-Entwickler Alan Cox deswegen seinen Rücktritt aus dem Usenix ALS Komitee bekannt gegeben. Auch wenn er Usenix nicht für verantwortlich hält, sei es "nicht sicher für ausländische Softwareentwickler, die Vereinigten Staaten zu besuchen". In seiner Rücktritts-E-Mail schreibt er weiterhin: "Wer wird der nächste Konferenz-Sprecher sein, der in ein US-Gefängnis wandert, da er kein Verbrechen begangen hat? Ist Usenix darauf vorbereitet, dass es die eigenen Sprecher sein könnten?" Solange bis das "DMCA-Durcheinander" behoben ist, ruft er deshalb alle Nicht-US-Bürger auf, Konferenzen in den USA zu boykottieren. Zudem fordert er Veranstalter von US-Konferenzen auf, ihre Veranstaltungen nicht in den USA abzuhalten.


Evil Azrael 24. Jul 2001

jo, wer sich ins Ausland begibt begibt sich immer in juristisch unsichere gewässer, und...

Kommentieren




Anzeige

  1. Projektingenieur (m/w) Prozessleitsysteme, Schwerpunkt SCADA
    Hydro Aluminium Rolled Products GmbH, Neuss
  2. Softwareentwickler SmartHome - Embedded Systeme (m/w)
    Bosch Thermotechnik GmbH, Lollar
  3. Datenbank-Administrator (m/w) - Schwerpunkt Oracle
    ISD - Industrie Service für Datenverarbeitung GmbH, Ludwigshafen
  4. IT-Systemanalytiker (m/w)
    Schuberth Group, Magdeburg

 

Detailsuche


Folgen Sie uns
       

  1. Quartalsbericht

    Apple mit Gewinnzuwachs, iPad-Verkauf erneut rückläufig

  2. Quartalsbericht

    Microsoft macht 700 Millionen US-Dollar Verlust mit Nokia

  3. Mayday

    Kindle-Besitzer können auf Knopfdruck Hilfe rufen

  4. Lufthansa Taxibot

    Piloten schleppen ihre Flugzeuge bald selbst zur Startbahn

  5. Geheimdienste

    USA und Deutschland wollen Leitlinien vereinbaren

  6. Geheimdienste

    DE-CIX bei manipulierter Hardware machtlos gegen Spionage

  7. Digitale Agenda

    Bund will finanzielle Breitbandförderung festschreiben

  8. DVB-T2

    HDTV sollte unverschlüsselt über Antenne kommen

  9. Wissenschaft

    Hören wie die Fliegen

  10. iWatch

    Apples Smartwatch könnte aus zwei Teilen bestehen



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Sony RX100 Mark III im Test: Klein, super, teuer
Sony RX100 Mark III im Test
Klein, super, teuer
  1. Custom ROM Sonys Bootloader einfacher zu entsperren
  2. Sony Xperia T3 kommt als Xperia Style für 350 Euro
  3. Auge als Vorbild Sony entwickelt gekrümmte Kamerasensoren

Programmcode: Ist das Kunst?
Programmcode
Ist das Kunst?
  1. Suchmaschinen Deutsche IT-Branche hofft auf Ende von Googles Vorherrschaft
  2. Quartalsbericht Google steigert Umsatz um 22 Prozent
  3. Project Zero Google baut Internet-Sicherheitsteam auf

Android L im Test: Google verflacht Android
Android L im Test
Google verflacht Android
  1. Android L Keine Updates für Entwicklervorschau geplant
  2. Inoffizieller Port Android L ist für das Nexus 4 verfügbar
  3. Android L Cyanogenmod entwickelt nicht anhand der Entwicklervorschau

    •  / 
    Zum Artikel