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Software / 15.12.2000 / 11:02 Trackback     Versenden     Druck 

OS im Browser: Inferno soll Java Konkurrenz machen

Schlanke Virtual Machine für vernetzte und sichere Anwendungen

Das britische Softwareunternehmen Vita Nuova hat ein Browser-Plug-in fertig gestellt, mit dem für das Netzwerkbetriebssystem Inferno programmierte Applets innerhalb von Webseiten ausgeführt werden können. Im Gegensatz zur Java Virtual Machine soll die Inferno VM wesentlich schlanker sein und die in der C-ähnlichen Programmiersprache Limbo geschriebenen Applets eine höhere Sicherheit bieten.

Limbo soll laut Vita Nuova auf Grund der Ähnlichkeit zu C schnell zu erlernen und die erzeugten Applikationen leicht in alle Inferno-Umgebungen portierbar sein. Innerhalb der Inferno VM, die in Form des nur 719 KB großen Plug-ins derzeit ausschließlich für den Internet Explorer ab Version 4 zur Verfügung steht, werden die in Form von Modulen vorliegenden Limbo-Programme in einem eigenen gesicherten Bereich ("Inferno Sandbox") ausgeführt. Dieser erlaubt in seiner derzeitigen Version den Zugriff auf ein virtuelles read-only KFS-Filesystem sowie eine beschreibbare RAM-Disk als Zwischenspeicher.

Die innerhalb einer Webseite aufgerufenen Limbo-Module werden vom Plug-in automatisch gestartet und interagieren je nach Funktionalität mit dem Anwender. Während nicht signierte (unsigned/untrusted) Module in einem eigenen Namespace ohne Netzwerk- oder lokalen Laufwerkszugriff laufen, dürfen signierte (signed/trusted) Module auf Wunsch auf einen größeren Namespace zugreifen und erlauben mehr Möglichkeiten. Die zum Download bereitstehende Vorab-Version des Plug-ins unterstützt allerdings nur unsignierte Module, Unterstützung für signierte Module, Netzwerkverbindungen und kontrollierten Zugriff auf Geräte sollen in der zweiten Version folgen.

Das fertige Plug-in soll alle Inferno-Authentifizierungs- und Sicherheits-Mechanismen zur gegenseitigen Authentifizierung, Nachrichten-Authentifizierung und -Verschlüsselung bei der Verbindung mit allen denkbaren Internet-Diensten umfassen. So sollen Netzwerk-Verbindungen gegen Modifikationen und/oder Abhören (Snooping) auf verschiedene Arten geschützt werden können.

Die in Limbo geschriebenen Plug-in-Applikationen werden in ".dis" (Modulformat von Limbo) Bytecode kompiliert und können entweder von der Dis Virtual Machine interpretiert oder on-the-fly in Maschinencode für die jeweilige Architektur kompiliert werden. Die Applikation kann auf jedem System entwickelt und debugged werden, auf dem Inferno derzeit läuft - auf eigenständigen Inferno-Systemen, unter Linux, Solaris, Plan 9, Windows und nun auch im Internet Explorer selbst.

Inferno ist ein skalierbares Netzwerkbetriebssystem, das auf verteiltes Berechnen ("Distributed Computing") in Multi-Prozessor-Systemen und Rechner-Netzwerken ausgelegt ist und damit ideal für Hochleistungs- und Hochverfügbarkeits-Umgebungen sein soll. Es kann über Vita Nuova in Form einer Abonnement-Lizenz bezogen werden und steht dann im Source-Code zur freien Verfügung - ähnlich Open-Source-Software.

Das Internet-Explorer-Plug-in für Windows sowie eine Installations-Version (ohne Sourcen) von Inferno für alle Windows-Versionen sowie Linux stehen unter www.vitanuova.com zum kostenlosen Download zur Verfügung. Für das Plug-in stehen bereits einige Demonstrations-Applikationen zur Verfügung. (ck)
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